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Gehalt und Einstiegsgehalt: wann und wie darüber sprechen?

Die Gehaltsverhandlung ist mitunter die Königsdisziplin im Bewerbungsgespräch sowie im Verlauf des Berufslebens. Fragen über Fragen: Womit fahre ich besser, hoch pokern oder tief stapeln? Stufe ich meine Gehaltvorstellung zu hoch ein, riskiere ich meine Jobchance, verkaufe ich mich unter Wert, bin ich uninteressant für meinen künftigen Arbeitgeber.

Über Geld spricht man nicht, oder doch?

Bereits im Privaten ist Geld ein höchst sensibles Thema. Nicht verwunderlich also, wenn sich dieses Verhalten aufs Berufsfeld überträgt. Oder umgekehrt? Obwohl deutsche Arbeitnehmer das Thema Geld ungern anschneiden, ist die Gehaltsverhandlung im Bewerbungsprozess ausschlaggebend dafür, ob uns ein Job zusagt oder nicht. Danach zu fragen, was jemand verdient wird als äußerst privat eingestuft. Doch warum ist das so?

Das Gehalt ist frei verhandelbar

Als Teil des Arbeitsvertrags ist das Gehalt frei verhandelbar, sofern kein Tarifvertrag vorliegt. Diese Haustarifverträge bzw. Betriebsvereinbarungen gelten nicht für alle Arbeitnehmer – Führungspositionen sind davon oft nicht betroffen. Die eher hohen Gehälter sind Teil einer individuellen Gehaltsvereinbarung.

Sobald kein solcher Tarifvertrag vorliegt, handeln beide Parteien den Lohn in der Gehaltsverhandlung unter sich aus. Neben persönlichen und beruflichen Qualifikationen hat auch das eigene Verhandlungsgeschick einen Einfluss auf den Erfolg des Gesprächs.

Rechtliche Basis: Let's talk money

Einige Arbeitgeber untersagen ihren Arbeitnehmern in Arbeitsverträgen durch so genannte „Verschwiegenheitsklauseln“ explizit, Informationen zur Höhe der Bezüge herauszugeben. Diese Klauseln sind rechtlich umstritten. Ob über Gehalt gesprochen werden darf oder nicht muss individuell auf Grundlage der eigenen Vertragsbasis entschieden werden. Ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2009 (Az.: 2 Sa 183/09) jedoch entschied, dass Zusätze im Arbeitsvertrag, die zum Stillschweigen der Höhe der Bezüge verpflichten, unwirksam seien. Die Argumentation des Landesarbeitsgerichts ist zum einen, dass das Gespräch selbst die einzige Möglichkeit sei, festzustellen, ob der Arbeitgeber bei der Lohnhöhe den Gleichbehandlungsgrundsatz einhalte und zum anderen verstoße vertraglich vereinbarte Verschwiegenheit gegen das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit.

Wann verhandle ich über mein Gehalt?

Was ist, wenn der Gesprächspartner von sich aus nicht darauf zu sprechen kommt? Wie kommt es an, wenn ich das Thema direkt anspreche? Und wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen um eine Gehaltsverhandlung zu führen? Besonders im Vorstellungsgespräch wird die Gehaltsfrage früher oder später gestellt. Doch müssen Sie sich gedulden bis der zukünftige Chef das Thema anspricht? Laut einer Studie des Personalvermittlers Robert Half, in der im Jahr 2015 200 Personalmanager in Deutschland dazu befragt wurden, können auch Sie den Anfang machen. Denn nur 4 Prozent der befragten HR-Manager sind der Meinung, dass die Gehaltsdiskussion vom Unternehmen initiiert werden sollte. Etwa die Hälfte der Befragten empfindet, dass die zweite oder darauffolgende Bewerbungsrunde „ideal“ ist um das Thema Gehalt anzusprechen.

War die Gehaltsfrage im ersten Gespräch noch kein Thema, ist es spätestens im zweiten oder dritten Gespräch an der Zeit zu erfahren, wie viel Sie als Bewerber überhaupt verdienen würden. Dennoch: Im Rahmen des ersten Kennenlernens kann eine zu frühe Frage zum Gehalt auch falsch interpretiert werden und signalisieren, dass Sie mehr Interesse am Geld als an der Stelle haben. Zögern Sie die Gehaltsfrage jedoch im Laufe des weiteren Bewerbungsprozess zu sehr hinaus, geben Sie Ihr Schicksal in fremde Hände und lassen den Schluss zu unsicher zu sein.

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Und genau deshalb ist es so wichtig, dass Sie Ihr Verhandlungsziel im Vorfeld festlegen, sich also ein Wunschgehalt und eine Untergrenze zu setzen. Statt einer konkreten Summe nennen Sie lieber eine Spanne um etwas Spielraum zu haben. Beginnen Sie diese jedoch nicht zu gering, da Personaler sich bei Vorgaben dieser Art gerne auf die geringste Summe berufen. Beachten Sie ebenfalls, dass die Spanne deckungsgleich mit Ihren Angaben in Ihrem Bewerbungsanschreiben sind. Um den persönlichen Gehaltwunsch faktisch untermauern zu können, ist es ratsam die eigenen Leistungen, Erfolge und Qualifikationen zu kennen. Denn: Nur wer spezifische Kenntnisse über den Markt und seinen eigenen Marktwert hat, ist in der Lage ein realistisches Ziel für die Gehaltsverhandlung zu formulieren.

Zusatzleistungen

Ein attraktiver Faktor für den Arbeitnehmer können außerdem Zusatzleistungen sein, wie etwa:

  • Seminare und Weiterbildungen
  • Zuschuss zur Monatskarte für den Nahverkehr, Dienstwagen, Fahrgeld oder Benzingutscheine
  • Zuschüsse zur Kinderbetreuung und/oder Mitarbeiterrabatte

Eines steht fest: wer es nicht wagt sein Gehalt mit dem Chef zu thematisieren, riskiert im Laufe der Zeit eine Menge Geld zu verlieren. Auch in Bezug auf die künftige Rentenausschüttung. Denn: je höher der Lohn, desto höher die Einzahlungen in die Rentenkasse und desto höher die spätere Rente.

Text: Anna-Carina Kruse

Titelbid: ©Getty Images/Brand X Pictures