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Wie bestimme ich meinen eigenen Marktwert?

Ob als Freelancer oder Angestellter eines Unternehmens, im Junior-Level oder mit mehreren Jahren Berufserfahrung in einer Senior Position: In der Gehaltsverhandlung und im Bewerbungsgespräch kommt es drauf an – Sie sollten die monetäre Gegenleistung Ihrer Arbeitskraft kennen.

Die Bestimmung des eigenen Marktwertes ist kein Kinderspiel. Die Schwierigkeit liegt darin, ihn stets individuell neu „auszuloten“. Er ist sowohl von der eigenen Leistung abhängig, als auch von äußeren Umständen und lässt sich daher nicht pauschal errechnen. Um einen positiven Ausgang einer Gehaltsverhandlung zu erzielen, braucht es eine gute Vorbereitung und etwas Übung in Bezug auf das Gespräch mit dem Chef.

Das Wichtigste in Kürze

Neben einigen festen Rahmenfaktoren, die einen direkten Einfluss auf Ihr künftiges Gehalt haben, gibt es eine Reihe Faktoren, die Sie selbst bestimmen können. Der Schlüssel dazu ist

  1. alle insgesamt 10 Faktoren zu kennen, und natürlich
  2. eine gründliche Recherche als Vorbereitung.

Nur so können Sie Ihr individuelles Marktwert-Puzzle langsam zusammensetzen und daraus eine realistische Vorstellung ableiten und Ihren Gehaltswunsch später vor Ihrem Arbeitgeber formulieren.

Diese Faktoren können Sie stark beeinflussen

# Wohnen, wo man gut verdient

Holen Sie das beste Gehalt für sich heraus und ziehen Sie dort hin, wo Sie gut verdienen. Denn das bekannte Stadt-Land-Gefälle betrifft auch die Höhe der Gehälter. Laut der aktuellen XING Gehaltsstudie liegen die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg und Bayern ganz vorn dabei. Nicht überraschend: Im direkten Vergleich zwischen den ländlichen Regionen und Ballungsgebieten schneiden letztere besser ab. Des Weiteren lassen sich Unterschiede im Bundesvergleich zwischen Ost- und West-, sowie Nord- und Süddeutschland festmachen. Generell kann man sagen, dass die Gehälter im Westen und Süden höher sind als im Osten oder Norden. Die großen regionalen Gehaltsunterschiede korrelieren aber mit erhöhten Lebenshaltungskosten: Jobs in München und Hamburg sind deutlich besser bezahlt als vergleichbare Positionen in anderen Regionen, gleichzeitig ist das Leben (z. B. die Mietpreise) jedoch deutlich teurer.

# Die Branche wechseln

Dass einige Branchen liquider sind als andere ist ein weiterer Faktor, der sich auf den eigenen Marktwert auswirken kann. Dieselben Tätigkeiten werden je Branche unterschiedlich hoch bezahlt. Teilweise hängt dies mit den branchenspezifischen Tarifverträgen zusammen. Die Position der Büroassistenz wird zum Beispiel in der Touristik bei gleicher Leistung und gleicher Tätigkeit schlechter bezahlt als in der Pharmaindustrie.

# Lieber groß als klein denken

Eine weitere Komponente zur Analyse von Gehältern ist die Betriebsgröße. In der Regel fallen die Gehälter größerer Unternehmen auch höher aus. Großunternehmen bezahlen inklusive aller Neben- bzw. Zusatzleistungen oft besser als kleine Betriebe. Im Schnitt zahlen große Unternehmen im Schnitt rund 10 bis 15 Prozent mehr, gleichzeitig sind sie meist stärker an einen festen Rahmen gebunden, der von der Zentrale festgelegt wird. Mittelständler haben mehr Freiheit in der Entscheidung der Gehaltshöhe.

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Diese Faktoren können Sie bedingt beeinflussen

# Wie ein Chamäleon: anpassungsfähig sein

Mit Flexibilität kann vieles gemeint sein. Es ist eine positive Eigenschaft, mit der man sich nur dann betiteln sollte, wenn man es mit eigenen Beispielen beweisen kann. In Bezug auf den eigenen Marktwert ist damit zum einen die Breite Ihrer Kenntnisse und Qualifikationen gemeint, die Firmen dazu befähigt Sie vielfältig einzusetzen. Zum anderen können Sie Ihre Flexibilität hinsichtlich der Arbeitszeiten oder des Einsatzortes beweisen.

# Die Gesprächsperformance trainieren

Es reicht nicht allein, fachlich gut zu sein. Je sichererer der Auftritt während des Gesprächs und die Vermarktung der eigenen Person, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Gegenüber von Ihrem Gehaltswunsch überzeugen.

Besonders unsichere Persönlichkeiten zucken beim Gedanken an ein Gespräch zusammen. Sie gehen manchmal davon aus Selbstbewusstsein vorspielen und sich verstellen zu müssen zu müssen. Diese Angst ist unbegründet: Die meisten Unternehmen bevorzugen ein authentisches Auftreten des Bewerbers oder ihres Mitarbeiters. Sind Sie trotz allem aufgeregt, scheuen Sie sich nicht dies offen anzusprechen. Berufliche Gespräche lassen sich gut üben indem man z. B. mit Freunden den Gesprächsverlauf simuliert. Trainieren Sie mögliche Fragen seitens des Chefs und eine souveräne Beantwortung. Je häufiger Sie das Gespräch durchspielen, desto mehr Routine und Sicherheit erlangen Sie und können mögliche aufkommende Nervosität verringern.

# Der Rost macht erst die Münze wert: Alter & Erfahrung

In vielen Tarifverträgen hat das Alter einen Einfluss auf die Höhe der Entlohnung. Sehr junge Arbeitnehmer starten mit einem geringeren Einstiegsgehalt, während es mit zunehmendem Alter für Arbeitnehmer schwieriger wird sich auf einem hohen Gehaltsniveau beruflich neu zu orientieren. Mehr Erfahrung bedeutet daher auch oft mehr Gehalt. Berufseinsteiger können schon früh beginnen, mit Praktika oder Werkstudententätigkeiten Arbeitserfahrung zu sammeln.

# Die gesuchte Person – sind Sie?

Je genauer Sie mit Ihrem Profil, Ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten den Anforderungen einer Stellenausschreibung entsprechen, desto eher wird der Arbeitgeber bereit sein, mehr für Sie zu bezahlen. Deshalb empfiehlt es sich bei der Jobsuche zu prüfen, ob Sie als Bewerber zur ausgeschriebenen Stelle passen und in welchen Punkten Sie mit Ihrem Profil die gesuchten Fähigkeiten abdecken.

# Bachelor of Taxi: der Abschluss und die fachliche Ausbildung

Ein grundsätzlicher Einflussfaktor für die Bestimmung des Gehalts ist Ihre fachliche Ausbildung, also Ihr Berufs- oder Studienabschluss. Die jeweilige Fachrichtung definiert in den meisten Branchen den Rahmen, in dem sich die Gehälter bewegen. Berufe, in denen eine langjährige Ausbildung und die Aneignung von speziellem Fachwissen erforderlich sind, werden in der Regel höher vergütet als Jobs, die in kurzer Zeit erlernt werden können. Großen Einfluss hat auch der Grad an Verantwortung, den der Arbeitnehmer trägt. So verdient z. B. ein Facharzt deutlich mehr als eine Pflegekraft im medizinischen Umfeld. Durch erworbene Qualifikationen wie z. B. einen Auslandslandsaufenthalt, Fremdsprachen, Zertifizierungen, eine Promotion oder einen MBA ergänzen Sie Ihre berufliche Ausbildung um weiteres Spezialwissen, das sich positiv auf Ihr Gehalt auswirken kann.

Diese Faktoren können Sie fast gar nicht beeinflussen

# Angebot und Nachfrage: Die Marktsituation

Last but not least ist die Marksituation ein Faktor, der in die Betrachtung des eigenen Marktwertes mit einbezogen werden sollte. Schwächelt die Konjunktur einer bestimmten Branche, lohnt es sich das Gespräch über eine mögliche Gehaltserhöhung zu vertagen.

Das marktwirtschaftliche Prinzip „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis“ gilt ebenso für den Karriere-Bereich: Je weniger gut qualifizierte Bewerber zur Verfügung stehen, desto mehr müssen Arbeitgeber zahlen. Umgekehrt gilt dies genauso: Bei einer Masse an gut ausgebildenten Bewerbern, können Arbeitgeber bei den Gehaltsverhandlungen sparen.

Gespräche mit guten Kontakten oder mit erfahrenen Recruitern sind ein guter Ausgangspunkt um in Sachen Gehalt die Balance zwischen Realität und Selbstüberschätzung zu finden. Das Verhandeln über Gehalt erfordert eine gründliche Recherche zu den oben angerissenen Rahmenbedingungen. Wer seine Hausaufgaben gründlich erledigt, hat den Vorteil sowohl sicherer in eine Gehaltsverhandlung zu gehen, als auch einen professionelleren Eindruck von sich hinterlassen zu können.

Text: Anna-Carina Kruse

Titelbild: ©Getty Images/E+

 

Sollten Sie von sich denken, in Gesprächssituationen mit Vorgesetzten tendenziell nicht gut abzuschneiden, so lautet die gute Nachricht: Der Erfolg eines Bewerbers in einer Gesprächssituation nicht nur abhängig von seinem Charakter, sondern lässt sich schlicht und einfach trainieren.